Die Potentialprognose

Am Anfang einer Reaktivierungsplanung steht üblicherweise eine sogenannte Potentialprognose, mit der grob abgeschätzt wird, wieviele Fahrgäste in den künftigen Zügen sitzen werden. Niemand will schließlich eine Strecke reaktivieren, auf der nur leere Züge fahren. 

Mit der Zielrichtung, Reaktivierungen zu fördern, hat daher das Land Baden-Württemberg für 42 Reaktivierungskandidaten durch einen Gutachter aus Karlsruhe die Potentiale grob abschätzen lassen. Für Isny ergab sich ein Wert von durchschnittlich nur 470 Fahrgästen werktäglich (www.vm.baden-wuerttemberg; Suchbegriff „Reaktivierungen“). Als Mindestwert für eine Reaktivierung gelten durchschnittlich 500 Fahrgäste. Damit wären unsere Überlegungen rasch am Ende gewesen.

Wie sich zwischenzeitlich herausstellte, ist der Gutachter zum Teil von überholten bzw. nicht zutreffenden Randbedingungen ausgegangen, z.B.:

– Der Gutachter hat die alte, zwischenzeitlich teilweise zugebaute Streckenführung unterstellt, die zum Teil weit an den Ortschaften vorbei führte.

– Der Gutachter hat Verkehre innerhalb einer Gemeinde, inkl. Des Schülerverkehrs, nicht berücksichtigt, z.B. Verkehre von Friesenhofen und Urlau nach Leutkirch oder von Rohrdorf nach Isny.

– Der Gutachter hat den Centerparcs nicht berücksichtigt.

– Der Gutachter hat einen Malus für Stichstrecken vorgesehen und damit den erheblichen Einzugsbereich Isnys bis weit nach Bayern hinein stark unterschätzt.

Wir haben deshalb empfohlen, das Potential nochmals wesentlich gründlicher durch einen Gutachter, der unsere Region gut kennt, durchführen zu lassen. Die Stadt Isny griff den Vorschlag auf und beauftragte Uli Grosse aus Tübingen, der bereits bei der Planung des Regiobusses Isny und des Stadtbusses Leutkirch mitgewirkt hat, ein vertieftes Gutachten zu erstellen. 

Dieses ist nun fertig gestellt. Es kommt auf durchschnittlich 1540 Fahrgäste täglich mit über 3000 Einsteigern pro Tag (Anhang). Eigene Überlegungen bestätigen, dass die Ergebnisse in ihrer Größenordnung stimmen (Plausibilitätsbetrachtungen zur Potentialprognose). Damit ist die verkehrliche Sinnhaftigkeit des Projektes nachgewiesen und eine wichtige Voraussetzung geschaffen, die Strecke in den Kategorien des Landes mindestens um 2 , wenn nicht sogar 3 Stufen höher zu setzen, als Prämisse dafür, dass das Land eine Machbarkeitstudie bis zu 75% fördert und später die Kosten des Zugbetriebs zu 100% übernimmt. 

Dieser Beitrag wurde von Andreas Schulz verfasst.