Warum Bahn und nicht Bus?

Viele Menschen, die nicht oder nur selten Bahn und Bus fahren, vermuten, dass Bahn und Bus gleichwertig seien, zumindest, wenn sie gleich schnell fahren. Politiker entscheiden sich dann verständlicherweise für das billigere Verkehrsmittel, in der Regel den Bus.

Die Wissenschaft hat dazu einen sogenannten „Schienenbonus“ ermittelt, der besagt, dass bei gleich schnellen Verkehren und gleichen Fahrpreisen die Nachfrage im Zug mindestens doppelt so hoch ist wie im Bus. So werden bei Streckenreaktivierungen regelmäßig Nachfragezuwächse von meist deutlich mehr als 100% erreicht.

Regelmäßige Bahn- und Busfahrer wissen dagegen aus eigener Erfahrung, dass diese Vermutung falsch ist. Z.B. sind Busse viel enger. Während der Fahrt umher zu laufen, ist mühsam. Kaum ein Bus hat Toiletten, schon gar keine barrierefreien. Der Bus steht genauso im Stau wie das Auto und gilt bei Autofahrern als Verkehrshindernis.

Der Unterschied von Bahn und Bus zeigt sich am deutlichsten in der Fahrgaststruktur. Befragungen ergeben immer wieder, dass im Bus die überwiegende Zahl der Fahrgäste keine Alternative zum öffentlichen Verkehr hat. Dazu gehören vor allem Schüler, aber auch andere Bevölkerungsgruppen. Im Zug nutzt dagegen die Mehrheit freiwillig den öffentlichen Verkehr. Die meisten hätten auch die Möglichkeit, die Fahrt mit dem Auto zurückzulegen. Daraus folgt, dass das Ziel, Individualverkehre auf freiwilliger Basis auf öffentliche Verkehre zu verlagern, in nennenswertem Umfang nur mit Zügen erreichbar ist.

Bild 1: Autofahrer steigen gerne auf Züge um, auf Busse eher weniger

Busse halten meist viel häufiger als Züge. Die Wege zur Haltestelle sind damit kürzer. Dies ist jedoch nicht unbedingt ein Vorteil. Der Einzugsbereich eines Bahnhofs ist nach wissenschaftlichen Erkenntnissen etwa dreimal so groß wie der einer Bushaltestelle. Der Grund dafür ist, dass Busfahrgäste im Gegensatz zu Zugfahrgästen kaum bereit sind, einen längeren Weg zur Haltestelle zu laufen. Dies führt dazu, dass der Bus bis zu sieben Mal so viele Halte benötigt und zahlreiche Schleifen fahren muss, um die gleiche Erschließungswirkung zu haben wie ein Zug.

Bild 2 : Der Bus muss für eine gute Erschließungswirkung häufig lange Umwege fahren

Dies gilt auch für Leutkirch – Isny. Der heutige Bus benötigt für die Strecke etwa 40 bis 45 Minuten und fährt zahlreiche Schleifen. Ein Zug könnte dagegen mit nur 25 bis 30 Minuten Fahrzeit annähernd die Erschließungswirkung des heutigen Busses erreichen.

Die Stärke des Busses ist die Kurzstrecke, bei der die oben genannten Nachteile wenig relevant sind. Optimal ist daher eine Kombination einer Bahnlinie mit zahlreichen optimal verknüpften Buszubringern. Bahnreaktivierungen führen deshalb fast immer auch zu einer erheblichen Intensivierung des Busverkehrs.

Dieser Beitrag wurde von Andreas Schulz verfasst.